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ADMIN

Geniale Anpassung!

Hallo Ingo,

Euer ehemaliges Bahnhofsgelände klingt nach einem seeeehr interessanten Lebensraum – wenn auch aus Menschenhand entstanden. Das trifft aber leider heutzutage auf sehr viele naturschutzrelevanten Flächen zu. Ur-Natur gibt´s bei uns so gut wie nicht mehr.

Du hast oben in Deinem Bild eine total spektakuläre Verhaltensweise des Dünen-Sandlaufkäfers (Cicindela hybridae) auf den Sensor gebannt – auch, wenn man das auf den ersten Blick nicht sieht. Das ist sowas von mega-interessant, dass ich es hier erzählen muss :-).

Nicht nur der Käfer ist der Hammer. Auch seine Larve ist total faszinierend in Körperbau und Anpassung. Beide leben räuberisch, fangen alles an Kleintieren, was sie überwältigen können – und das in einem extrem heißen, teilweise lebensfeindlichen Lebensraum. Aber der Reihe nach:

Anpassung ohne Ende!

Der Käfer:

Die adulten Käfer leben – wie bereits erwähnt – räuberisch, vor allem von Ameisen. In den heißen Sommermonaten heizt sich der Sandboden bei voller Sonneneinstrahlung so stark auf, dass während des höchsten Sonnenstandes zur Mittagszeit die meisten Insekten in den kühlen Schatten ausweichen müssen, um keine Hitzeschäden durch plötzliches Ausflocken der Eiweißverbindungen im Körper zu erleiden. Nur die Ameisen sind aufgrund ihres Rundum-Chitinpanzers besser geschützt und können meistens noch etwas länger umherlaufen.

Nun kann jedoch der Dünen-Sandlaufkäfer auf diese Situation reagieren. Wenn es zur Mittagszeit auf der Sandbodenoberfläche so richtig heiß wird, stellt er sich auf seine Zehenspitzen und hält mit seinen ausgestreckten langen Beinen unter seinem Körper eine Luftglocke fest. Da der Käfer gleichzeitig diese Luftblase mit seinem eigenen Körper beschattet, sinkt deren Temperatur um bis zu fünf Grad Celsius gegenüber der Umgebungstemperatur. Auf seiner Körperoberfläche ist der Käfer gegen die hohe Mittagshitze durch seine Chitin-Flügeldeckel und die darunter liegenden Flügel gut geschützt. Seine Bauchseite hingegen ist relativ ungeschützt, sie ist seine empfindlichste Körperstelle. Durch die Luftabkühlung in der Luftglocke kann nun der Sandlaufkäfer "fünf Grad Celsius" länger nach Ameisen jagen. Er hat somit also einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen jagenden Insekten, die das Revier früher verlassen müssen, um Schutz vor der großen Hitze zu suchen - eine faszinierende Anpassung an einen Extremlebensraum!

Genau diesen "Hochstand" des Käfers, also das Stehen auf den Zehenspitzen, um eine kühlende Luftglocke unter seinem Körper festzuhalten, hast Du auf Deinem ersten Foto fotografiert. Das ist sowas von krass!

Die Larve

Mindestens genauso krass ist seine Anpassung an diesen heißen Sandlebensraum während seiner Jugendzeit, also als Larve. Aber das hier genau zu beschreiben, würde ein wenig den Rahmen von Makrotreff sprengen. Außerdem habe ich das alles in der Bildreportage Perfekte Anpassung – Der Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida) schon einmal geschrieben. Mann kann dort also alles lesen und anschauen.

Du hast zwar mit Bild 1 oben einen starken Ausschnitt eingestellt – was wir hier bei Makrotreff ja bekannterweise in der Regel nicht wollen –, aber erstens gibt es hierfür sehr plausible und gute Gründe (Du hast sie oben geschildert). Zweitens ist der Ausschnitt hinsichtlich Perspektive, Schärfe und Licht sehr gut. Und drittens, und das ist für meine folgende Entscheidung das Wesentliche, hast Du eben ein Foto mit einer hochinteressanten Geschichte fotografiert. Aus diesem Grund

GRATULATION zu diesem TOP-Foto – mit TOP-Geschichte!

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht"

Roland

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