Blume am Feldrand

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Makronist

Hallo zusammen, hätte gerne eure Meinung! Canon 70D,1/500 sek., Iso 100, Trioplan 2.8/ 100mm.Gerne würde ich eure Meinung dazu hören. LG Wally

Blume am Feldrand

Kommentare

Profile picture for user Erich Müller

Hallo Wally,

ein sehr schönes Foto, die Schärfe auf die die geschlossenen Blüte gelegt, feines Bokeh, obwohl die typischen Bubbles hier nicht so dolle, sondern dezent kommen.

Nun zur Pflanze, es handelt sich wohl um die "Mauretanische Malve (Malva sylvestris L)".
 

Liebe Grüße

Erich

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Wally,

hier hast Du eine wunderschöne Malvenblüte fotografiert. Schauen wir uns das Foto genauer an:

Hauptmotiv

Hauptmotiv sind die offene Blüte am unteren Bildrand, die geschlossene Blüte am oberen Bildrand sowie das grüne Blatt in der Mitte dazwischen. Zumindest hast Du auf diese Pflanzenbereiche die Schärfe gelegt und bietest sie somit dem Betrachter als Hauptmotiv an. Das ist soweit auch in Ordnung, jedoch befinden sich beide Blüten nicht exakt in der Schärfe; diese liegt vielmehr auf dem grünen Blatt zwischen diesen beiden Blüten – also auf dem eher unscheinbarsten Bereich dieses "Dreigestirns". Die Schärfeebene liegt leicht vor der oberen, geschlossenen Blüte (also quasi im Luftraum davor). Und die Staubgefäße der unteren – das ist nicht ganz genau zu erkennen – leiden meines Erachtens etwas an der deutlichen Randlage; Vintage-Objektive neigen insbesondere bei Offenblende mehr zu Randunschärfen zu den Bildrändern hin als moderne Objektive. Auch, wenn das Trioplan bezüglich dieser Randunschärfen eher sogar recht gut abschneidet, befindet sich das Zentrum dieser unteren Blüte schon sehr nahe am Bildrand. Dies könnte die Ursache für die leichte Unschärfe sein.

Der Haken an dieser Bildaufteilung in Verbindung mit der oben beschriebenen Schärfeverteilung liegt darin, dass der Bildbetrachter etwas verwirrt zwischen diesen drei Bildbereichen hin und her wechselt. Es wird nicht auf den ersten Blick "ersichtlich", was Du nun tatsächlich klar als Hauptmotiv präsentieren möchtest: Der eine Bildbereich zeigt eine offene, farbenfrohe Blüte, die jedoch etwas unscharf ist. Der andere Bildbereich eine geschlossene, ebenso farbenfrohe Blüte, und ebenfalls nicht so richtig scharf. Der dritte Bildbereich zeigt das grüne Laubblatt – eher klein von der Fläche und unscheinbar in der Farbe, dafür aber scharf mit attraktiven Kontrastkanten. Das alles ist etwas zu viel Hauptmotiv-Möglichkeit und etwas zu wenig Klarheit, was nun tatsächlich primär gezeigt werden soll.

LÖSUNG:
Wenn Du – was ein sehr guter Ansatz ist – diese drei Pflanzenteile zusammen in einem Bild zeigen möchtest, dann müssen sie auch alle drei absolut exakt in die schmale Schärfenebene bugsiert werden. Ich erkenne, dass dies Dein Wille war – dafür bis Du zu nahe dran am Optimum :-). Aber, wie oben beschrieben, ist es eben nicht absolut exakt gelungen. Und das ist auch schwer bei Offenblende un der damit verbundenen sehr schmalen Schärfeebene.

Wenn dies also nicht zu 100% gelingt, ist es besser, diese Bildidee zu verlassen und eine neue aufzubauen – z.B. durch die Konzentration auf eine einzige Blüte, die dann bildwirksam abgelichtet wird.

Hintergrund

Der Hauptteil des Hintergrunds ist uni dunkel, mit leichten helleren Schattierungen. Nur am unteren und insbesondere am oberen Bildrand sind Strukturen der Pflanze im Hintergrund vorhanden.
Solche Strukturen benötigt das Trioplan, um seine attraktiven Mal-Eigenschaften zeigen zu können. Hierbei entscheidend ist die Entfernung dieser Strukturen zum Hauptmotiv; sind sie weit weg, werden sie zu stark beruhigt. Ist der Abstand zum Hauptmotiv zu gering, werden sie zu deutlich wiedergegeben. Und letzteres ist hier der Fall. Sie befinden sich so nahe hinter den Hauptmotivblüten, dass sie zu deutlich abgebildet werden. Das Mal-Potenzial des Trios kommt nur schwach insbesondere am oberen Bildrand zur Geltung. In den dunklen Strukturen der Hauptfläche des Hintergrunds hat das Trioplan keinerlei Strukturen zum "anpacken".
Bei einer solchen Voraussetzung stellt sich immer die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, ein modernes Objektiv einzusetzen, dass dann die so deutlich im Vordergrund befindlichen Hauptmotivbereiche wesentlich schärfer und brillanter darstellen kann.

LÖSUNG:
Der Blick beim Fotografieren mit Vintage-Objektiven geht immer sehr stark in den Hintergrund. Befinden sich dort Strukturen, die das jeweils eingesetzte Objektiv interessant wiedergibt? Zeigt das Objektiv dort in vorhandenen Strukturen und gegebenenfalls Lichtpunkten seine charakteristische Mal-Eigenschaft?
Wenn nicht, sollte man so lange weitersuchen, bis die Voraussetzungen entsprechend passen. Dies kann man immer wieder ziemlich genau auf dem Display der Kamera prüfen; bereits hier zeigt sich meist, wie stark das Objektiv am gegebenen Motiv malen kann. Auf diese Weise lassen sich vor Ort viele verschiedene Aufnahmewinkel und Perspektiven durchprobieren und miteinander vergleichen. Mit der Zeit bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wann eine Situation geeignet ist und wann nicht. Und wenn dann mal alles passt, dann freut sich das Trioplan und belohnt die Arbeit mit einem spektakulären, malerischen Bokeh :-).

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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