Wildbienen im Garten

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Makronist

Hallo,

die ausgeräumte Landschaft, der Einsatz von Giften in der Landwirtschaft und weitere Faktoren bedrohen die Wildbienen. Viele sind vom Aussterben bedroht. In erster Linie bräuchte es also ohne Frage einen anderen Umgang mit Landschaften und eine andere Landwirtschaft, um die Wildbienen zu schützen.

Trotzdem kann man ihnen auch Unterstütung anbieten, wenn man einen Garten oder Balkon besitzt. Indem man Nisthilfen schafft, seinen Garten naturnah gestaltet und eine bewusste Pflanzenauswahl trifft. Und da gerade in den nächsten Wochen viele Entscheidungen für die kommende Vegetationsperiode getroffen werden, wollte ich mal auf die Website von Werner David hinweisen, da gibt es auf humorvolle Weise Tipps und Infos unter anderem zur Erstellung von Insekten-Nisthilfen.

Ingo

P.S.: Die meisten gekauften "Insektenhotels" sind absolut unbrauchbar und für die Tonne. Aber aus z.B. Bambus, Hartholz (auf dem ersten Bild die Beine eines Gartentischs, der nach 20 Jahren die Grätsche gemacht hat) oder  hohlen Stengeln kann man prima Nisthilfen bauen. Das ist ein wenig mühsam, aber die Beobachtungen, die man dort machen kann, entschädigen für die Anstrengung.

Nisthilfen aus altem Gartentisch und Bambusstäbchen
Nisthilfe aus Schilfgras
Mieter gefunden!
Besuch der parasitären Goldwespe
Nach der Eiablage müssen die Röhrchen verschlossen werden

Kommentare

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MOD

Guten Morgen, Ingo,

danke für deine Info zu dem wichtigen Thema. Jetzt ist genau die richtige Zeit über solche Maßnahmen nachzudenken und sie bestmöglich umzusetzen. Von gekauften Insektenhotels aus dem Baumarkt sollte man auch nach meiner Erfahrung Abstand nehmen. Außerdem ist es viel schöner selber kreativ zu werden und dann ein Erfolgserlebnis zu verspüren.:-) Gehen wir es an!

Liebe Grüße

Gabi

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MOD

Hallo Ingo,

Roland hatte hier ein schönes Buch von Anja Eder vorgestellt. Das finde ich sehr informativ. Ich selbst habe mir auf Robs Hinweis hin noch  Echten Apotheker Eibisch (Althaea oficinalis), Echten Alant ( Inula helenium) und Echtes Herzgespann (Leonurus cardiaca) bei der Baumschule Horstmann in Schenefeld bestellt. Ich habe die Pflanzen schon bekommen, jedoch wegen der Kälte noch nicht gesetzt. Vielleicht hilft dir das weiter.

Liebe Grüße

Gabi

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Makronist

Hallo Ingo,

wichtiges Thema, danke dass du darauf Hinweist!

Ich möchte noch hinzufügen, dass ca. 70% der Wildbienenarten bodennistende Arten sind, denen solche Nisthilfen nichts bringen.

Für Bodennistende Arten: Offene (unbewachsene) Stellen schaffen. Oder ein "Sandarium" anlegen. Dafür mischt man Sand (ungewaschen) mit Lehm (ca.70/30) und füllt das Gemisch in eine 50cm tiefe Grube und schüttet noch einen kleinen Hügel auf. Alternativ werden auch Abbruchkanten gern besiedelt oder man kann auch eine Art Hochbeet (Sand/Lehmgemisch) aufschütten mit Steinen an den Seiten, dann muss man keine Grube graben.

Für Hohlraumbesiedelnde Arten (z.B. Mauerbienen) sind Nisthilfen wie in dem Bild von dir gezeigt gut, ich würde gefräste Nistbretter empfehlen. Die kann man aufmachen um sie zu reinigen (Es gibt viele Parasiten/Milben die sich in den Nisthilfen ansiedeln, außerdem bleiben Pollen/Lehmreste und tote Puppen/Larven in den Nisthöhlen) und die Kokons sicher (z.B. in einem Karton bis zum Schlupf draußen (regengeschützt)) aufzubewahren. So habe ich es jetzt seit 2 Jahren gemacht und es ist wirklich sehr gut. So kann man auch die Brutzellen sehen und genau begutachten.

Pflanzen (alle genannten sind einheimisch):

Disteln (Nickende Distel, Wollkopfkratzdistel, Mariendistel, Kugeldistel, Acker-Kratzdistel, auch Edeldisteln wie z.B. Mannstreu), Klee (Hornklee, Rotklee, Weißklee, Inkarnatklee etc.), Taubnesseln, Herzgespann (lockt vor allem Wollbienen an, versamt sich bei mir sehr gut), Schwarznessel, Immenblatt, Fingerhut, Flockenblume (Insektenmagnet, auch Vögel z.b. Distelfinken fressen gern die Samen), Glockenblumen (z.B. Nesselblättrige Glockenblume), Königskerze (In den markhaltigen Stängeln der Königskerze nisten auch gern Wildbienen also: vertrocknetes nicht abschneiden), Witwenblume (blüht extrem lange, wahre Insektenmagneten, von der Schwebfliege bis zum Tagfalter), Wiesensalbei, klebriger Salbei (Spätblüher, gedeiht im Schatten/Halbschatten), Gundermann, Krokus, Schlüsselblume, Duftveilchen (Frühblüher, Bodendecker, Schatten/Halbschatten, Futterpflanze Kaisermantel), Sandglöckchen, Beinwell, Alant, Kartäusernelke (für Schmetterlinge, braucht sonne/trocken), Brennessel (viele Schmetterlingsraupen fressen daran), Efeu (muss allerdings alt werden bis er blüht, aber dann ein wertvoller Spätblüher), Klappertopf (Halbschmarotzer, kann dabei helfen eine Blumenwiese zu etablieren, da er an Gräsern schmarotzt, Hummelpflanze), Wiesen-Margerite, Färberkamille (verbreitet sich gut, blüht bis zum Frost), Wilde Malve, Wilde Karde (Insektenmagnet und auch für Vögel gut. Stieglitze picken sich gern die Samen), Wilde Möhre (Insektenmagnet, Nahrungspflanze Schwalbenschwanz)

Sträucher/Bäume:

Salweide (Nahrungspflanze für über 100 Schmetterlingsarten, sehr wichtiger Frühblüher), Schlehe (auch Futterpflanze für viele Schmetterlingsarten, auch für Vögel interessant), Obstbäume, Weißdorn, Faulbaum (Zitronenfalter), Kornelkirsche (blüht schon früh), Holunder, Haselnuss, Hundsrose, Himbeere, Blaubeere, Felsenbirne

Es gäbe noch viel mehr Pflanzen, aber ich belasse es erstmal dabei. Alle genannten Pflanzen kann ich wärmstens empfehlen, je nach Standort.

lg Jan

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Makronist

Hallo Jan,

danke für deine Hinweise. Der hohe Anteil bodennistender Arten ist mir auch schon bewusst geworden, ich hatte deshalb bereits die Überlegung angestellt, ein "Sandbeet" anzulegen. Aber Roland hat dann darauf hingewiesen, dass ein paar Stunden Sonne am Tag fast schon zu wenig sind, extrem wichtig sei eben "volle Sonneneinstrahlung". Und da ist Nachbars riesige Fichte im Weg, weil sie gerade den geeignetsten Flächen in der Mittagszeit die Sonne nimmt. Ach, hätte ich gerne ein paar hundert Quadratmeter Fläche!

Einige der von dir genannten Sträucher / Bäume sind schon vorhanden, eine ganze Reihe der Pflanzen auch. In einer Ecke habe ich seit 2 Jahren erfolgreich einige Disteln angesiedelt, da werde ich nochmal "nachrüsten". Die sind wirklich beliebt bei diversen Insekten und auch für Makronisten ganzjährig hübsch abzusehen, finde ich. Und dann muss man ja auch immer noch schauen, was für einen Boden man hat. Bei uns ist es eher trocken, 30 - 40 cm Humus, darunter Sand. Und wenn ich dann lese, dass z.B. der "echte Apotheker Eibisch" gerne frischen bis feuchten, gerne auch lehmigen Boden mag, habe ich Zweifel, ob das mit einer Ansiedlung klappen würde. 

Und so probiere ich dies und das und sehe dann, was funktioniert und was nicht, und die Jahre vergehen und mir dauert das alles viel zu lange. Bin halt kein Biologe. Vielleicht doch die "Gelben Seiten"?

Lieber Jan, danke für deine Pflanzentipps, da suche ich mir noch was raus.

Ingo 

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Makronist

Hallo Ingo,

Mehr Fläche hätte ich auch gern, das Problem kenne ich ^^

Ich denke, mit offenen unbewachsenen Stellen im Boden wirst du trotzdem einigen Bodennistenden Arten eine Nistgelegenheit bieten, selbst wenn nicht so viel Sonne hinscheint. Aber ja, sonnige Plätze sind besser geeignet.

Auch für mageren/sandigen Boden gibt es viele Pflanzen. Die meisten Pflanzenarten die trockenere Standorte bevorzugen, mögen allerdings auch gerne sonnige Standorte.

Ich denke du kannst aber gut eine Wildblumenwiese anlegen, die Wildblumen mögen besonders mageren Boden da sie meist konkurrenzschwach sind. Bei dir würde sich vielleicht sogar anbieten Den Boden umzugraben, sodass Sand und Humus gemischt sind.  Schön, dass du Disteln hast, die sind leider oft ungeliebt. Nicht nur fürs Auge, Die Blüten sind auch für die Nase ein wahrer Genuss und natürlich wahre Insektenmagneten.

An deinem (eher schattigen, trockenen) Standort könnte ich mir vorstellen, dass z.B. klebriger Salbei, Glockenblumen, Witwenblumen, Alant, Schafgarbe, Rainfarn (der wächst bei mir gut im Schatten), Knoblauchsrauke (Aurora-Falter), Wilde Möhre, etc. gut wachsen.

Allerdings könnte es auch Sinn machen der Natur einfach ihren Lauf zu lassen. Du lässt (es kann auch nur ein Teil sein) die Wiese einfach wachsen, und schaust was für Arten kommen. Wartest bis zur Samenreife deiner bevorzugten Arten und mähst dann einmal alles ab (mit einer Sense oder z.B. mit einem Balkenmäher da das Gras wohl zu hoch wird für einen normalen Rasenmäher)

Das machst du für einige Jahre, der Standort wird langsam abgemagert und blühfreudige Pflanzen aus deiner Umgebung werden sich einstellen. Damit erreichst du schon sehr viel. Dann kommen auch viele Wildbienen von allein.

lg Jan

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Makronist

Hallo zusammen, hallo Ingo,

eigentlich wurde in den vorausgegangenen Beiträgen schon alles wesentliche zum Erhalt und der Förderung der Wildbienen und anderen Insekten im Garten gesagt. Ich melde mich gerne dazu, weil ich vor vielen Jahren völlig unerfahren und unbedarft, also eher fast zufällig zum Schützer der Wildbienen und Insekten geworden bin.

Dies ergab sich besonders aus dem Grunde, weil ich krankheitshalber mein Gartengrundstück 800 Quadratmeter Fläche nicht bewirtschaften konnte. Dadurch kam es zu einem ausgiebigen Wildwuchs, meterhohe Gräser, Dornen, Distel usw. Dieser Umstand hat aber im Ergebnis dazu geführt, dass sich eine Vielfalt an Insekten angesiedelt hatte, weil nämlich Lebensräume geschaffen waren, die vorher nicht da waren.

Erst als ich danach so Stück für Stück wieder anfing den Garten wieder zu kultivieren, ließ ich einen Großteil der Fläche dennoch sich selbst überlassen, und dieses Konzept funktioniert seid Jahren, indem immer abwechselnd Flächen unbearbeitet brach liegen.

Dazu gibt es eine Reihe anderer Hilfen, die wurden ja hier in den Beiträgen sehr gut beschrieben.

Viele Grüße Sigi

Profile picture for user Ingo Heymer
Makronist

Hallo Jan + Sigi,

nochmal danke für die vielen Anregungen - hoffentlich nicht nur für mich, sondern auch für andere!

Jan, zum Glück ist unser Grundstück gar nicht sooo schattig - aber so richtig ganztätig glutheiß scheint die Sonne auch nirgendwo hin. Sonst hätte ich schon längst ein Sandlaufkäferparadies geschaffen :). Einen Wildblumensaum um die Terrasse habe ich vor zwei Jahren angelegt, und die ersten zwei Jahre waren toll. Mal sehen, was dieses Jahr passiert. Es gibt immer noch Rasen auf diesem Claim - und jedes Jahr überlege ich, wie ich den noch um ein paar Quadratmeter verkleinern kann. Alles, was nicht Rasen ist, ist einfach viel spannender! Und hier liegt auch schon eine Tütchen mit einer Samenmischung mit heimischen Wildblumen für die nächsten Quadratmeter bereit (Untertitel auf der Packung: "Bienes beste Freunde "). Da sind zahlreiche der von dir genannten Pflanzen enthalten. Mal sehen, was sich davon heimisch fühlt und durchsetzt.

Und Sigi: Erstmal schön, dass es dir wieder besser geht als offensichtlich vor ein paar Jahren! Deine Anregung habe ich indirekt schon umgesetzt, indem ich vorletztes Jahr diverse Wildpflanzen von brachliegenden, auf die Bebauung wartenden Grundstücken in der näheren Umgebung entnommen und erfolgreich hierher umgesiedelt habe (solche Brachen sind tatsächlich erstaunliche Insektenparadiese!). Das hat gut funktioniert - und ich musste nicht solange warten :-).

Man sollte aber nie vergessen: Solche Maßnahmen im eigenen Garten werden die Welt nicht retten, da müssen dringend deutlich größere Räder gedreht werden. Freude macht es trotzdem ...

Liebe Grüße

Ingo 

Profile picture for user Catfriend
Makronist

Hallo zusammen,

Ich möchte hier noch den Blog von Katharina Heuberger empfehlen mit Tipps und Beispielen für naturnahe und insektenfreundliche Balkonbepflanzung, die sich natürlich auch im Garten umsetzen lässt.

https://wildermeter.de/

Liebe Grüße

Catfriend

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