Cooke Kinic 1.5/25mm – Moos-Sporangien mit Tropfen

Das Foto zeigt eine sehr kleine Moos-Art, die meist auf Steinen wächst. Die Sporangien (= kleine Stiele) sind nur etwa 5mm Millimeter hoch. Der Tropfen war wenige Minuten vor der Aufnahme noch gefroren, also ein Eistropfen. Es begann zu regnen, und auf dem Foto ist er gerade aufgetaut. Unten im Moos sind noch einzelne gefrorene Kristalle zu sehen.

Langer Auszug – hoher Abbildungsmaßstab

Ich habe das Foto mit dem Filmobjektiv Cooke Kinic 1.5/25mm im APS-C-Format gemacht. Um in diesen hohen Abbildungsmaßstab vorzudringen, habe ich eine 15mm breite Auszugsverlängerung vor das Objektiv geschraubt. Anders ausgedrückt: Ich habe das kleine Filmobjektiv 15mm weit vom Sensor weggezogen. Der Effekt ist eine Verschiebung des Arbeitsbereichs bis sehr nahe vor die Frontlinse und damit eine Vergrößerung des Abbildungsmaßstabs – ähnlich einem Makroobjektiv, das ebenfalls mittels verlängertem Schneckengang weiter herausgedreht werden kann als "Normal-Objektive".

Tolle Schärfe

Das Foto zeigt das hohe Schärfepotential eines Cooke Kinic 1.5/25mm-Objektivs. Selbst im extremen Nahbereich, also weit unterhalb des von seinen Konstrukteuren berechneten Optimalbereichs, zeigt es sein ganzes Können – insofern mit ihm auch nach gut 90 Jahren noch alles in Ordnung ist; dieses Objektiv stammt von etwa 1930! Häufig weisen solche alten Objektiven (so auch das Cooke Kinic) oft schwer zu entdeckende Schäden oder Fehler auf, was sich leider schnell und unschön in seiner Abbildungsleistung und -eigenschaft zeigt. Da sollte man also ein wenig aufpassen :-).

Charakteristischer Umgang mit Licht und Farben

Ein weiteres Charakteristikum dieses Objektiv-Oldis ist seine phantastische Farbwiedergabe, was an den alten Gläsern liegt. Sie entstammen einer völlig anderen Rezeptur als diejenigen moderner Objektive. Hat man einmal raus, wie sich diese Andersartigkeit des Umgangs mit Farben und auch mit Licht zeigt, ändert sich der gesamte Zugang eines Makronisten zum Motiv :-). Das, was bisher eher als "fotografisch ungeeignet" eingeschätzt wurde, wird von so einem Objektiv wie dem alten Cooke Kinic regelrecht in Szene "gezaubert".
Dies wird bei diesem Bild hier deutlich: Ich habe es vor einer Woche nachmittags, wenige Minuten vor 16:00 Uhr, bei stark bedecktem Himmel und einsetzendem Regen gemacht. Man kann auch sagen: Es war aber auch sowas von überhaupt kein Licht! Trüb und düster. An den Exif-Daten wird deutlich, wie wenig Licht vorhanden war: Eine 1/60 Sekunde bei ISO 250 mit der sehr großen Blende 1.5 sprechen für sich.

Und trotzdem liegt im Foto ein attraktives, fast schon geheimnisvolles Licht. In Verbindung mit der schon angesprochenen individuellen Farbwiedergabe des Cooke Kinics hat dieses Foto mindestens so viel Charakter wie ein vergleichbares Foto, das bei "gutem" (Sonnen-)Licht aufgenommen wurde – vielleicht sogar noch mehr.

Rand-Bedingungen

Ich habe übrigens ausschließlich mit dem Naturlicht fotografiert, ohne Kunstlicht und auch ohne Ab- oder Umlenkung von Licht beispielsweise mittels Reflektor. Ich hatte ausschließlich die Kamera und das kleine Cooke Kinic vorne drauf. Ich habe freihand fotografiert.
Das Foto ist nicht beschnitten, zeigt somit also den Original-Ausschnitt.

Fazit

Alles in allem ist das Cooke Kinic 1.5/25mm ein wundervolles Objektiv mit einer vergleichsweise sehr guten Schärfe und einer tollen Farbwiedergabe – vorausgesetzt, man hat ein "gutes" Exemplar dieses Schätzchens erwischt :-).

[Weitere und ergänzende Inhalte habe ich in ein Kommentarfeld unterhalb des Fotos Sporangien von User Rob geschrieben.]

Kommentare

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Gabi,

war mir klar :-). Du hast aber auch eine tolle 5er-Serie mit sehr attraktivem Licht im Bokeh eingestellt. Da bist Du absolut auf dem richtigen Weg.

Nun bringe das Hauptmotiv noch etwas mehr zur Wirkung – natürlich ohne das Bokeh aus den Augen zu verlieren. 
Wandere mit dem Cooke herum, führe es durch den Mooswald und lasse ihm dabei freien Lauf. Bringe ihn ruhig mal an seine Grenzen und klemme noch ´nen zusätzlichen schmalen Zwischenring davor; ein gutes Cooke verkraftet das, das siehst Du oben. Und findet Cooke dann was Schönes, lässt Du einfach das Vögelchen fliegen... :-).

Liebe Grüße 

Roland

Profile picture for user IngaEdel
Makronist

Hallo Roland,

ein fantastisches Bild! Besonders der weißlich Moosflaum ist entzückend.

Gut zu wissen, dass man mit dem Kinic in dieses Regionen vorstossen kann. Das habe ich mich bisher nicht getraut.

Liebe Grüße

Inga

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Inga,

wir reden hier von Top-Objektiven.

Das alles trifft natürlich nur zu, wenn die eingesetzten Objektive auch tatsächlich vollkommen fehlerfrei – also in Top-Form (grins) – sind. Bei solchen Einsätzen machen sich alle auch noch so kleinen Einschränkungen oder sogar Fehler bemerkbar. Sind sie jedoch in Ordnung, sind ihre Arbeits- und Einsatzbereiche extrem groß; das möchte ich mit diesem Foto zeigen. Es macht einen riesigen Spaß, mit solchen Schmuckstücken zu fotografieren.

Dein "kleines" Cooke Kinik ist in Top-Form :-)!

Liebe Grüße 

Roland

Profile picture for user Rob
Makronist

Hallo Roland,

einfach beeindruckend, was du aus dem kleinen Cooke rausholst! Ich denke, es ist inspirierend für alle, die über dieses Objektiv verfügen.

Danke fürs Zeigen!

Rob

 

Profile picture for user Tilo
Makronist

Hallo Roland,

Ein beeindruckendes Foto und wertvolle Informationen zur Entstehung.

Von dem Cooke Kinic gibt es mehrere Versionen. Eine ältere ohne Beschichtung der Linsen mit schwarzen Teilen am Tubus und eine neuere mit Beschichtung der Linsen komplett silberfarben.

Welche verwendet Ihr, bzw könnt Ihr eine Empfehlung bezüglich der Abbildungseigenschaften geben?

Danke und viele Grüße

 

Tilo

Profile picture for user Roland
ADMIN

Hallo Tilo,

ja, das ist korrekt, die unvergütete Version stammt von ca. 1930, die vergütete kam etwa 20 Jahre später auf den Markt. Ich habe beide Objektive in der MAKROFOTO-Spezial zum Thema Vintage-Makrofotografie – Malen mit der Kamera mit Foto abgebildet und vorgestellt.

Die Unterschiede hinsichtlich ihrer Abbildungseigenschaften sind, wenn überhaupt vorhanden, für unsere Einsatzbereiche marginal und zu vernachlässigen.
Das Merkmal "unvergütet" ist bei der Vintage-Makrofotografie oft ein positiver Aspekt – schließlich arbeiten wir mit den Fehlern dieser alten Objektive. Man darf allerdings nicht vergessen, dass von Vergütungen, die viele Jahrzehnte alt sind, heute in der Regel so gut wie nichts mehr an Wirkung übrig ist. Beide Cooke Kinic-Versionen liefern somit das so gut wie gleiche Bildergebnis.

Wesentlich entscheidender ist, dass man ein Exemplar erwischt, das fotooptisch einwandfrei ist. Dies ist der wirklich wichtige Aspekt. Leider weisen die alten Objektive häufig Mängel auf, die von außen nicht oder nur sehr schwer zu erkennen sind. Auf dieses Kriterium sollte man in erster Linie achten. Es ist sehr frustrierend, mit einem Objektiv zu arbeiten, das fotooptisch nicht vollkommen in Ordnung ist – und das sogar noch, ohne es zu wissen!

Liebe Grüße 

Roland

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