Feldsandlaufkäfer II

Ich habe neulich schon einmal über meine Expedition zu den Feldsandlaufkäfern berichtet. Sie können schnell laufen und fliegen schnell weg, wenn man sich Ihnen unbedacht nähert. Wie ich es mir überlegt hatte, habe ich bei den letzten beiden Besuchen meine Strategie geändert - war auch kein Problem, denn die Sonne schien, im Fintlandsmoor ist es herrlich ruhig und ich hatte Urlaub. Die neue Strategie: Ich werde Teil des Biotops, bleibe einfach solange da, bis ich nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werde. So lag ich zweimal ca. 4 Stunden am "Torfstrand".

Die zweite These war: Einzelne Individuen sind mutiger als ihre Artgenossen. Man muss sie nur finden.

Beides war so was von richtig vermutet! (ist den meisten hier wahrscheinlich schon lange klar, aber bei mir hat´s ein wenig gedauert) Beim ersten Besuch - als ich mich dort so hinlegte - liefen die meisten Käfer erst einmal weg. Bis auf einen! Der musterte mich eine Zeitlang, dann näherte er sich mit den typischen ruckhaften Vorwärtsbewegungen - unterbrochen von Momenten des Verharrens - an. Und zwar zahlreiche Male. Er war deutlich zu identifizieren, weil sein Flügel beschädigt war und unter dem Deckflügel herausschaute. Es endete damit, dass ich ständig zurückkriechen musste, weil er zu dicht an das Objektiv kam und nicht mehr scharf zu bekommen war. Irgendwann saß er sogar in der Gegenlichtblende. Und am zweiten Tag - an der gleichen Stelle - war er der erste, der sich wieder neugierig annäherte. Abgefahren!

Die Käfer verloren ihre Scheu. Wenn ich sie durch den Sucher vor mir auf der von störenden Halmen befreiten Bühne suchte, keiner kam und ich mich dann aufrichtete, bemerkte ich wiederholt drei oder vier Exemplare seitlich neben mir, keine zehn Zentimeter entfernt.

Bilanz: Ich habe was gelernt. Nimm´ dir Zeit, lass deine Motive sich an deine Anwesenheit gewöhnen. Dann steigen deine Chancen, was Brauchbares zu fotografieren. Und vor allem lernt man unglaublich viel über das Verhalten der beobachteten Wesen (die vielen Details lass` ich hier mal weg).

Ingo

P.S: Es bleibt trotzdem sehr schwierig, sie sauber abzulichten, denn sie sitzen selten still!

 

Kommentare

Profile picture for user Flora1958
MOD

Hallo Ingo,

was für eine Geschichte und was für tolle Bilder! Hier sieht man sehr schön, wie bunt dieser Käfer doch ist. Glückwunsch zur neu gewonnenen Käfer-Freundschaft.:-) Ich teile deine Erfahrungen voll und ganz und möchte solche Momente auch nicht mehr missen. Jede Minute des geduldigen Wartens wird belohnt durch einzigartige Erfahrungen und mit ein wenig Glück auch gelungenen Bildern ( siehe oben).

Liebe Grüße

Gabi

Profile picture for user IngaEdel
Makronist

Hallo Ingo,

tolle Bilder und ganz schön viel Einsatz, den Du da gezeigt hast!

Ich habe nun tatsächlich ein Revier mit dem Sandlaufkäfer in meiner Nähe ausfindig gemacht und mich schon an ihm probiert. Vor stundenlangem Braten in der Sonne bin ich allerdings bisher zurück geschreckt. Entsprechend sehen die Bilder aus. Wie ich sehe, hast Du geblitzt. Ist es ein Aufsteckblitz oder zwei Blitze (Zangenblitz), den Du verwendest? Ich habe es einmal mit dem kameraeigenen Aufsteckblitz und Diffusorhäubchen probiert, den Schattenwurf habe ich aber nicht wegbekommen.

Gestern bin ich ganz unerhofft dem grünen Bruder über den Weg gelaufen, bzw. er mir. Wenn Du mich nicht schon auf dieses Exemplar vorbereitet hättest, dann wäre ich wohl achtlos an ihm vorbei gelaufen. Bilder muss ich noch sichten, aber auch da der hässliche Schattenwurf ...

Liebe Grüße

Inga

Profile picture for user Ingo Heymer
Makronist

Hallo Inga,

schön, dass du ihn in deiner Nähe ausfindig gemacht hast. Ihn ordentlich abzulichten ist in der Tat kein einfaches Unterfangen, aber wenn du erstmal auf den Trip gekommen ist, willst du ja auch ans Ziel kommen. Und unversehens brätst du stundenlang in der Sonne :) . Aktuell hast du gute Chancen, zumindest hier sind seit einigen Wochen außergewöhnlich viele Exemplare unterwegs.

Also, der Blitz ist ein selbstgebauter Zangenblitz (Vorbild war Rolands Zangenblitzkonstruktion). Die Nutzung versuche ich zurzeit zu erlernen - mit bisher mässigem Erfolg. Auch das ist für mich ein mühsames Projekt, da ich bisher überhaupt nie den Blitz genutzt habe. Aber ich glaube, bei den eingestellten Bildern ist er gar nicht oder nur bei einem Bild  zum Einsatz gekommen.

Liebe Grüße

Ingo

P.S.: Der Schatten ist übrigens auch weg, wenn du dich in den Torf eingräbst und von unten fotografierst! (grins).

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