Takumar 2.3/35mm – Märzenbecher im Laubwald

Der Märzenbecher (Leucojum vernum) in seinem Lebensraum, einem Laubwald.

Der breite Bildwinkel des aus dem Jahr 1959 stammenden Weitwinkelobjektivs nimmt den Lebensraum mit ins Bild. Auf diese Weise bekommen die Märzenbecher eine "Heimat" :-).

Kommentare

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MOD

 

Hallo Roland!

Ich glaub, ich steh im Wald....:-)  Die Wirkung ist eine ganz andere  wenn mehr Umfeld bleibt. Was für ein tolles Bokeh! Ohne das Sonnenlicht würde es sicher schwierig mit der Darstellung der Bäume in der Unschärfe.  Sieht klasse aus. Danke für`s Einstellen.

Liebe Grüße

Gabi

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ADMIN

Hallo Gabi,

das mit dem Umfeld ist so eine Sache. Einerseits ist es schön, wenn es in einer Deutlichkeit mit auf dem Bild ist, die so viele Details zeigt, dass der Lebensraum erkennbar ist – in diesem Fall der Wald. Andererseits soll es die malerische Abbildungscharakteristik des eingesetzten Vintage-Objektivs zeigen.

Dieser Grad ist sehr schmal. Wird der Hintergrund noch deutlicher wiedergegeben, geht dies auf Kosten des malerischen Eindrucks; und er wird schnell zu unruhig. Würde er sich in stärkeren Unschärfen zurückziehen, wäre er kaum noch als Wald erkennbar.

Hier spielt unter anderem die gewählte (Offen-)Blende eine große Rolle. Für dieses Situation hat die 2.3 das Takumars gut gepasst.

Liebe Grüße 

Roland

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MOD

Guten Morge, Roland!

Ich finde es total klasse, dass du uns gerade dieses Bild  hier präsentierst. So kann man gut sehen, dass gerade auch die Wahl des Objektives, die Brennweite und die gewählte Offenblende hier eine große Rolle spielen. Nicht jedes Obi ist für alle Situationen geeignet. Wieder so ein Punkt für uns zum Lernen und Probieren. ;-)

Liebe Grüße

Gabi

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ADMIN

Hallo Gabi,

Du bringst es auf den Punkt. Natürlich ist es häufig auch sehr interessant und lohnend, wenn man ein und das gleiche Motiv mit unterschiedlichen Brennweiten und verschiedenen Offenblenden ablichtet; oft kommen dann verschiedene sehr gute Bildergebnisse zustande.
Oft funktioniert das aber auch nicht. Dann kann es beispielsweise sein, dass bei einer eher ungünstigen Offenblende der Hintergrund zu ruhig wird (in so einem Fall ist dann häufig die Wahl eines modernen Objektivs die bessere) oder so unruhig, dass er das Hauptmotiv zu stark dominiert.

Und dann ist es natürlich im Wesentlichen auch eine Frage der Bildidee bzw. -vorstellung. Beim Bild oben wollte ich den Lebensraum als Information mit im Bild haben. Damit schied also beispielsweise eine Blende von 1.2 aus; er wäre in vollständiger Unschärfe homogenisiert worden.
Gleichzeitig sollte aber dieser recht deutliche Hintergrund die typische "Vintage-Objektiv-Charakteristik" aufweisen – also ein wenig aussehen wie gemalt. Und wenn man das Bild voll vergrößert anschaut, dann sieht man sofort, dass der gesamte Hintergrund völlig anders dargestellt wird, als mit einem modernen Objektiv fotografiert.

Ich hänge hier mal ein Foto an, das ich in der gleichen Motiv-Situation und zum selben Zeitpunkt mit einem Vintage-Objektiv mit einem geringeren Bildwinkel (5cm) und größerer Blende gemacht habe, mit dem Carl Zeiss Jena Sonnar 1.5/5cm aus den 1930er Jahren (pre-war-version). Das Ergebnis ist ein völlig anderes Bild! Ok, auch nicht unbedingt schlecht, aber: Wo ist der Lebensraum? Bis auf den schemenhaft erkennbaren dicken Baumstamm am linken Bildrand ist der Wald futsch – und das sogar, obwohl die Märzenbecher geringfügig kleiner abgebildet sind und damit immer noch viel Umfeld auf dem Foto vorhanden ist. Hier wäre es also nicht gelungen, die eigentliche, oben formulierte Bildidee umzusetzen – nämlich Märzenbecher im Laubwald. Nun ist ein anderes Foto entstanden.
[Anmerkung: Das Foto ebenfalls in voller Größe anschauen.]

Unter anderem diese Vielfältigkeit – anders ausgedrückt dieses enorme Kreativ-Potential – macht die Fotografie mit den Objektiv-Senioren so interessant und spannend.

Übrigens ist das hier von mir eingesetzte Takumar 2.3/35mm eine richtige Vintage-Perle – leider nur recht selten und schwer in guter fotooptischer Qualität zu bekommen. Ich habe recht lange Zeit benötigt, um einige wirklich gute Exemplare zu erwerben. Deshalb kann ich auch dieses Objektiv immer bei den Vintage-Makro-Workshops mitbringen und zum Ausprobieren und ggf. käuflichen Erwerb anbieten. Aber wenn man einmal so eine Perle hat, dann.... :-)!

Liebe Grüße 

Roland

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Makronist

Hallo Roland,

das sind total spannende Ausführungen! Auch der Vergleich mit der längeren Brennweite bei mehr Lichtstärke ist für mich total interessant. Natürlich machen diese Erwägungen es auch nicht leichter, Bildideen umzusetzen, weil es einfach schon vieles gibt, was gleichzeitig beachtet werden muss. Ich versuche mir (angeregt durch die vielen tollen Einstellungen in der Vintage-Galerie) nun immer mehr Überblick über die Räume und Abstände zu verschaffen. Manchmal muss man gar nicht durch den Sucher schauen und kann direkt ein anderes Obi aus dem Rucksack ziehen. Auch dein Text, hier auf Makrotreff, über die verschiedenen Brennweiten ist hierbei hilfreich. 

Eine Frage stellt sich mir bei diesem Thema noch aber vermutlich ist es nicht leicht, diese pauschal zu beantworten. Wäre in manchen Momenten auch ein minimales Abblenden sinnvoll, oder verlieren (wie es Gabi schon einmal angedeutet hat) die Altgläser, dann zu schnell die attraktiven Maleigenschaften? Es kann doch durchaus sein, dass eine Brennweite gerade geeignet ist, aber der Hintergrund durch leichtes Abblenden etwas "aktiviert" werden könnte.

Schöne Grüße

Rob

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Hallo Rob,

es ist, wie Gabi geschrieben hat: Bei den allermeisten Vintage-Objektiven führt bereits geringes Abblenden (oft reicht schon eine halbe Stufe!) zu einer so starken Reduktion der "Mal-Eigenschaft", dass sich dann schnell die Alternative "modernes Objektiv" aufdrängt. Es gibt einige wenige Objektiv-Senioren, die leichtes Abblenden verkraften, ohne diese Eigenschaften zu verlieren – hier aber dann auch meist nur maximal etwa eine Blende. Bei manchen dieser wenigen Objektive verändert sich dabei die Abbildungscharakteristik zwar auch, bleibt aber attraktiv – anders attraktiv halt!

Fazit:

Abblenden ist bei alten Objektiven in dem Sinne, wie wir die Vintage-Makrofotografie betreiben, kaum eine Option. 
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Makronist

Hallo Roland,

da schließe ich mich gern der Gabi an. Die Art der Einbettung in den Hintergrund (der zum Teil ein gutes Stück entfernt ist und sich dennoch so schön zeigt) ist inspirierend. Der Blick kann (aus meiner Sicht) auch wunderbar den Stamm hinunter gleiten, die Märzenbecher genießen und dann erforschen, wie sich das Licht in den Wald hineinschraubt. Und dann wieder von vorn ;-) 

Farben, Licht, Schärfe, Bildaussage. Alles ist drin. Ich frage mich schon, wie du das immer hinbekommst :-) Danke fürs Zeigen!

Rob

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ADMIN

Hallo Rob,

ja, das Sonnenlicht spielt bei diesem Bild eine größere Rolle. Allerdings ist es bei den weißen Blüten auch ein wenig gefährlich. Es führt sehr schnell zum Ausfressen der strahlend-weißen Blüten des Märzenbechers, insbesondere bei Offenblende so mancher Objektiv-Oldis.
Aber ich denke, auch ohne Sonne wäre ein interessantes Ergebnis entstanden. Ein Vergleich wäre schön gewesen, hätte mich sehr interessiert... :-).

Liebe Grüße 

Roland

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Makronist

Grüß Dich Roalnd,

das Takumar macht einen ganz entzückendend Hintergrund. Diese unterschiedlichen Lagen von Bubbles und Strichen - einfach genial dieser Wald! Der Vordergrund stört mich allerdings etwas, da steht einfach zu viel rum. Da wünscht sich mein Auge etwas im Vordergrund, das diesen scharfen Waldboden und v.a. die angeschnittenen grünen Blätter etwas in der gnädigen Unschärfe verschwinden lässt.

Liebe Grüße

Inga

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ADMIN

Hallo Inga,

kann ich verstehen :-). Aber das Eine bedingt das Andere. Will man den Wald (weit) hinter den Märzenbecher noch als Wald erkennen, wird natürlich auch das unmittelbarere Umfeld des Märzenbechers etwas schärfer abgebildet.

Ich kann verstehen, dass Dich die "Unruhe" dort etwas stört; sie ist ja schließlich auch tatsächlich vorhanden. Für mich ist sie mehr Ausdruck der "Natürlichkeit" auf einem Waldboden, von dem sich der Hauptmotiv-Märzenbecher aufgrund seiner Farben (grün und weiß) aber ausreichend abhebt.
Die angeschnittenen grünen Blätter am rechten unteren Bildrand haben hiermit nichts zu tun; die hätte man tatsächlich verschwinden lassen können :-).

Es ist eine Gratwanderung – das macht spätestens Deine Reaktion bzw. Empfindung sichtbar. Vielen Dank für Deine Zeilen.

Liebe Grüße

Roland

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