Blitzen?

Moin moin,

vor ein paar Tagen war es morgens kühl und nebelig und ich hatte die Idee, jetzt könne ich auch mal ein Foto von Tau benetzten Libellen machen. Tolle Idee. Zwar kenne ich ein kleines Gewässer, an welchem sich zu dieser Jahreszeit zahlreiche, sich paarende Kleinlibellen, aber auch die blaugrüne Mosaikjungfer rumtreiben, aber gefunden habe ich sie so früh morgens nicht. Eine ratsuchende Google-Suche vor Ort ergab, dass die großen Libellen wohl in größerer Höhe in den umliegenden Bäumen schlafen. Die Kleineren seien anders, als man so denkt, auch eher nicht direkt am Gewässer selbst zu finden. Nach akribischer Suche und Null Funden kann ich das nur bestätigen. Tja, mal wieder keine Ahnung gehabt :-(

Als dann die Sonne kam, schwirrte der Himmel. Vor allem "aneinandergekoppelte" Kleinlibellen. Praktischerweise führt ein kleiner Steg über das Wasser, dort setzte ich mich hin. Die blaugrüne  Mosaikjungfer flog Patrouille. Als sie feststellte, dass ich so was von keine Gefahr bin, schwirrte sie mir immer wieder in kurzem Abstand vor dem Kopf herum, checkte mich, um schließlich auf meinem Kopf zu landen - nach dem Motto: Der Typ kann doch keiner Libelle was zuleide tun! Das (auf Kopf oder Händen / Armen landen) machen gefühlt alle Insekten, wenn man Teil ihres Biotops geworden ist. Ein wunderschönes Gefühl...

Natürlich kam ich dann auf die Idee, sie im Flug zu fotografieren, aber das ist gar nicht so einfach, wenn man versucht, manuell zu fokussieren (ohne Focus Peaking). Das o.g. Bild ist so entstanden. Der Hintergrund ist nicht so schön, aber egal, die Schärfe sitzt halbwegs. Der Beschnitt liegt ungefähr bei 40 %, also mehr, als hier erlaubt.

Ich nachhinein habe ich mich gefragt, ob es Sinn macht, bei derartigen Flugaufnahmen den Zangenblitz einzusetzen. Kann jemand dazu etwas sagen?

Liebe Grüße

Ingo

P.S.: Für gute Flugaufnahmen bitte bei Rob gucken :-)

Kommentare

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ADMIN

Hallo Ingo,

könntest Du bitte noch die Exif-Daten nachliefern. Hier sind insbesondere Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert von Interesse. Und mit welcher Sensorgröße hast Du fotografiert (Kamera?)?

Liebe Grüße 

Roland

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Makronist

Moin Ingo,

wirklich cool eine Flugaufnahme von dir zu sehen! Ich finde übrigens auch keine Libellen mit Tautropfen ;-) Das Licht auf dem Tier ist aus meiner Sicht genau richtig. Die Morgensonne kann was! Klar, der HG hat recht viel Kontraste durch Licht und Schatten, aber die Mosaikjungfer schwebt hell vor einem dunklen Bereich. Theoretisch kann man natürlich die Blende noch weiter öffnen und/oder in der Nachbearbeitung, wenn man Lust hat, noch etwas eingreifen, um den HG zu befrieden. Irgendetwas scheint mit der Schärfe nicht ganz zu stimmen, aber das sieht man erst, wenn man nah ran geht. Ich befürchte dass die 1/2000s evtl. nicht ganz gereicht hat. Unter 1/2500s (ohne Blitz) habe ich noch nie eine Libelle im Flug scharf bekommen. Vielleicht ist da aber noch was mit der Schärfe aber da kann dir eher der Roland helfen. Ich kann das nicht so herauslesen.

Da ich mir zur Zeit auch Gedanken über Blitzen bei Flugaufnahmen mache, schreibe ich dir mal meine Erfahrungen kurz. Wenn Umgebungslicht eine Rolle spielt, und das wird es, wenn man tagsüber mit der Blitzsinc.-Zeit (meist um die 1/200s) und halbwegs offener Blende (für schöneren HG) agieren möchte, dann kommt es zu einer Doppelbelichtung. Auch bei ISO100 kommt Licht zusätzlich zum Blitz hinzu und dann müsste man eigentlich trotz langer Verschlusszeit, das Tier genau und umverwackelt im Flug, bzw. mit einem Schwenk auf der Flugbahn erwischen. Das ist sauschwer bis unmöglich. An einem sehr dunklen Tag oder in der Dämmerung könnte man zwar das Tier einfrieren, hätte jedoch meist schwarze Hintergründe und jegliche natürlich anmutende Lichtstimmung eliminiert. Was funktionieren kann ist, ein Insekt recht nahe an einem HG zu erwischen und wenn der Bereich im Schatten liegt und/oder du die Blende schließt, dann kann der Blitz als einzige Lichtquelle die Libelle einfrieren und den HG erwischen. Mehrere Blitz wären auch eine Lösung. Am besten 3  ;-), Zangenblitz für das Tier und Zusatzblitz extern für den HG. Serienaufnahme fällt dann jedoch meist weg und wir sind wieder beim sauschwer bis unmöglich gelandet. Puh, sind insgesamt schon viele Parameter. Ist schon ein kniffliges Thema. Was bei mir ein wenig funktioniert hat ist, den Blitz nur zur Aufhellung zu verwenden. Mein recht günstiger Blitz macht HSS und dann kann ich auch mit 1/2500s zusätzlich reinblitzen. So geht es aus meiner Sicht einigermaßen, einen Blitz bei Flugaufnahmen zu verwenden, aber der Blitz ist dann wirklich nur eine Ergänzung zum Naturlicht und muss dosiert dazu passen. Auch knifflig...

Ich hoffe du kannst damit etwas anfangen. Da ich keinen Zangenblitz habe, kann ich auf diese Frage zum Thema nichts beitragen, aber im Prinzip geht es ja ums Blitzen.

Schöne Grüße aus dem Süden!

Rob

Profile picture for user Ingo Heymer
Makronist

Moin Rob,

das Bild ist nett, aber nicht gut. Die Fragestellung aber ist spannend, denn wie man die entscheidenden Parameter auch verändert: Das Problem bleibt (Zielwert 1/2500s: Bleibt man darunter, wird´s nicht knackescharf (s.o.). Offenblende, um Licht zu "schöpfen": Nicht genug Schärfentiefe. ISO bis zum Anschlag: Erhebliche Qualitätsverluste). Da kommt einem zwangsläufig die Frage nach dem Blitz in den Sinn.

Ich habe nur darüber nachgedacht, es aber nicht ausprobiert. Auf die "Schwarzen Löcher" bin ich gedanklich auch gekommen. Und da schließen dann deine Erfahrungswerte und Überlegungen an. Klasse, vielen Dank! Das Resümee: Geht wohl, aber nur mit erheblichem Aufwand (z.B. 3 Blitze, insbesondere vielleicht auch von der Seite?, grundsätzlich gute Idee). Spontanität wäre dann wohl nicht mehr möglich. Man müsste die Standard- Flugrouten der Libellen erkunden (die sich meist aber mit dem Sonnenstand ändern), gleichzeitig auf einen geeigneten Hintergrund achten und dort seine Blitz- und Fotoapparatur aufbauen. Ich glaube, das wäre mir too much!

Man muss ja auch nicht jede Fotoidee bis zum Ende verfolgen. So habe ich es aufgegeben, den spektakulären Einflug hunderter Kraniche ins Vehnemoor festhalten zu wollen. Du kannst auf die Uhr schauen, um zu wissen, wann sie kommen. Du kannst aber auch warten, bis du mindestens ISO 2500 einstellen musst, um zumindest eine 1/160s zu erzwingen: Genau dann tauchen sie auf. Manchmal ist es das Beste, sich einfach nur an einem Naturspektakel erfreuen - ohne Knipse (s.u.). Es sei denn, man will es wirklich wissen ;-)

Liebe Grüße aus dem Norden!

Ingo

Profile picture for user Rob
Makronist

Hallo Ingo,

danke für den Austausch! 2 Sachen möchte ich noch ergänzen. Die 1/2500s ist mein Mindestwert aber bestimmt ist es auch möglich, mit einer sehr ruhigen Hand und etwas Glück, den Stehflug auch mal mit einer 1/800s scharf einzufangen. Für mich hat das bisher nicht funktioniert aber ich erinnere mich an ein Schwebfliegenbild von dir mit toller Flügeldynamik durch eine kürzere Verschlusszeit. Um das Naturlicht runter zu fahren, kann natürlich auch ein ND-Filter verwendet werden. Dann wäre es auch bei Offenblende und der Blitzsync.-Zeit möglich, eine Doppelbelichtung zu vermeiden.

Ich bin ganz bei dir. Nicht jede Idee muss verfolgt werden und manchmal wird es auch zu knifflig und/oder aussichtslos. Trotzdem finde ich das Thema seeehr spannend, weil insbesondere beim Flug viel Licht hilfreich ist. 

Manchmal ist es auch wirklich schöner, ein Spektakel einfach anzusehen und die Kamera abzulegen. Bei der größten Libellen-Show, die ich bisher gesehen habe, war es so. Viele Arten, viele Revierkämpfe, gutes Licht und alles direkt vor meiner Nase und trotzdem wollte ich kein Bild machen. Es war zu schön, um in diesem Moment "Stress zu machen". Einen besseren Moment für Flugaufnahmen von Libellen habe ich nie davor oder danach gehabt, und bestimmt hätte ich pro Minute ein gutes Bild hinbekommen und vielleicht auch 2 Männchen beim Kampf im Flug erwischt. Trotzdem: Ich wollte es einfach nur sehen und erleben.

Toller Moment mit den vielen Kranichen! Da knistert die Luft!

Liebe Grüße

Rob

 

Profile picture for user Flora1958
MOD

Hallo Ingo,

erstmal möchte ich Dir schreiben, dass Dein Libellenbild ein gutes Bild ist, nicht nur nett. Ich finde es sehr schwer Libellen im Flug abzulichten. Insofern ist dein Ergebnis ein gutes Ergebns. Aber das hatten wir ja schon einmal* grins

Du Glücklicher hast den Kranichen zuschauen können. Da beneide ich Dich schon. Ich hab die Glücksvögel in Meckpomm. vom Boot aus  beim Brüten beobachten können. Ich mag sie sehr. Bald fliewgen sie wieder über meinen Wohnort mit Ihren Rufen. Der Winter ist nah.

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag.

Liebe Grüße

Gabi

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