Mikrokosmos

Heute hab ich zum einen mit dem Tamron90/2.8 und Raynox 250 experimentiert... das 2. der Tierchen ist allerdings mit dem Hexanon 40mm 1.4 am Retroadapter mit Zwischenringen (+Blitz mit Diffusor) entstanden.

Ich vermute, das es sich bei den 'Mehrbeinern' um Springschwänze handelt, welche Art weiss ich allerdings nicht... vielleicht einer von den Makroprofis hier? Die Tierchen waren alle 3-4mm lang. Gefunden im Wald auf/unter Totholz.

Kommentare

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ADMIN

Hallo ars et natura,

bei Foto 1 und 2 handelt es sich um Springschwänze, nähere Bestimmung anhand der Fotos ist allerdings nicht möglich.

Hier hast Du einen Ausflug in die "Extrem-Makrofotografie" unternommen - mit all ihren Tücken!

Bild 1:
Hier bist Du nicht ganz parallel zum Springschwanz, daher ist sein Körperende komplett der Schärfenebene "entfleucht". Das passiert natürlich bei diesen Abbildungsmaßstäben sehr schnell. Die Beleuchtung - wohl das Naturlicht - ist hier suboptimal, weil diese Ausleuchtung zu starken Schlagschatten führt. Dunkle Bereiche vor allem auf dem Untergrund (reliefdurchzogene Totholz- oder Holzrindenstrukturen) saufen nahezu vollständig ab und sind somit schwarze Löcher. Insgesamt ist das Licht im Bild sehr unausgeglichen, was zu einer hohen Bildunruhe und -ablenkung führt.
LÖSUNG: Einsatz von mindestens zwei Blitzen mit starken Diffusoren. Ausleuchtwinkel: nicht voll seitlich, sondern leicht von vorne als Zange. Damit entsteht das sehr leidliche Platz-Problem - die Blitze müssen irgendwo untergebracht werden. Bei der geringen Distanz zwischen Linse und Motiv eine schwierige Sache. Aber genau das sind die Herausforderungen :-) ...

Bild 2:
Schöne, homogene Ausleuchtung - aber was ist das für ein Untergrund? Ist das was Künstliches? Oder irgendein "Totholz-Glibber"? Das ist etwas erklärungsbedürftig.
Bild zwei zeigt schön das Einsatzpotential von Weitwinkel-Objektiven in Retrostellung. Faszinierend, diese kleinen Bürschchen - und soooo wichtig für die Bodenentwicklung!!!
(Oben links am Bildrand sind übrigens kleine Sensorflecken.)

Bild 3:
Hier bei diesem Bild führt das eigentlich sehr ungünstige Naturlicht schon fast wieder zu einer positiven Wirkung. Denn dadurch, dass der Untergrund (Totholz) so extrem dunkel ist, leuchtet die kleine Schnecke regelrecht. Das ist der positive Ansatz. Dennoch besteht hier das gleiche Lichtproblem wie bei Foto 1.

LÖSUNG: Wie bei Foto eins, allerdings kann man hier auch mal anders experimentieren. Bei einem solchen Motiv kann man auch mal nur einen Blitz schräg von der Seite und leicht von oben einsetzen - und sehen, was dabei herauskommt. Auch dann erhält man diese stärkere Kontrastwirkung, aber insgesamt sollte die Beleuchtung "umfassender" sein, also weniger schwarze Löcher erbringen. Den Blitz dabei relativ weit weg vom Motiv halten, also auf jeden Fall von Kamera entfesselt und ordentlich weit weg (vielleicht mal mit 30 cm oder mehr probieren). Aber hier immer wieder die Ergebnisse kritisch betrachten und bewerten. Aber das kann zu spannenden und dramatischen Bildern führen.
Die Tiefenschärfe reicht bei der Schnecke leider nicht aus. Ungünstig ist, dass das vordere Fühler-Ende und der vordere Bereich des Schneckenhauses mit der Behaarung links nicht scharf sind. Hierhin wird das Betrachterauge gezogen, und hier ist es dann unscharf. Das verwirrt.
Ich kann zu der Tierfenschärfen-Situation nicht mehr sagen, da Du nicht die von dir gewählten Blendenwerte angegeben hast und auch nicht angibst, inwieweit Du einen Bildbeschnitt vorgenommen hast. Erst wenn ich dies weiß, kann ich die Situation fachlich korrekt einwerten.

Die Bildaufteilung ist etwas langweilig, da die Schnecke mittig sitzt. Besser wäre es, sie links zu platzieren und dann nach rechts ins Bild hineinlaufen (oder besser -kriechen :-) ) zu lassen. Vorteil: der Bildinhalt der rechten Bildhälfte ist aussagemäßig im Moment relativ uninteressant und hat auch keine weitere sonstige Aufgabe. Dieser Teil würde verkleinert. Dagegen würde der rechte Teil aufgewertet und könnte somit auch wirksam den "Einkriech-Raum" der Schnecke darstellen. Mehr inhaltliche Aussage als im rechten Bildteil ist hier zwar auch nicht, aber eine rein bildgestalterische Wirkung darf man auch nicht unterschätzen ...

In diesem Sinne weiterhin "Gut Licht",

Roland

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erst mal vielen Dank für die ausführliche Bewertung, da hab ich viel zu tun ;-)
zu Bild1: Mein gescheiter Makroblitz ist noch auf der Reise vom 'großen Fluss'...deswegen available light... stacking (wegen Unschärfe) war hier leider auch keine Option, da das Tierchen sehr schnell war ;-) Werde das mit der Ausleuchtung versuchen zu optimieren in der Zukunft.
Bild2:
Ich hatte alte Blätter aus dem Garten umgedreht und auf meinen Pflanztisch (Glasoberfläche) gelegt... das Bürschchen ist auf die Glasfläche entfleucht ;-) Valentin meinte, es handelt sich evtl. um einene kleine Assel (siehe auch den Panzer).
zu 3.:
Schnecklein war sehr klein, Umgebung dunkel (noch kein gescheiter Blitz...wie bereits erwähnt)...trotz Schneckentempo auch kein stacking...das Tier bewegte sich sehr stark (Blende lag glaub irgendwo zwischen 5,6 und 8 (da manuell, kann ich es nicht mehr genau sagen) Minimaler Bildbeschnitt, hatte mehr Platz links überlegt...wollte die Strukturen rechts aber nicht ganz abschneiden...war da hin und her gerissen...

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ADMIN

Hallo Claudia,

das mit der Beleuchtung ist eine spannende Thematik. Klar, Naturlicht hat immer seine Reize, aber es kann auch sehr tückisch sein. Viele Situationen kommen im Naturlicht wesentlich besser zur Geltung, andere aber wiederum nicht oder sogar nie!
Insbesondere die Lichtverhältnisse im extrem Kleinen sind oft sehr tückisch. Hier sind schnell überall Schatten, die man mit bloßem Auge kaum wahrnehmen kann. Aber nachher in der fotografischen Vergrößerung werden sie sich als unschöne Schlagschatten und schwarze Löcher sichtbar. Da helfen meist nur Blitze.
Ich habe mal ein Foto einer Schildkäfer-Larve eingestellt. Sie ist zwar deutlich größer als beispielsweise ein Springschwanz, aber auch nur etwa 5 mm klein. Du findest sie hier:

http://www.makro-treff.de/gale...

Betrachte hier einmal die Lichtsituation - sie ist sehr ausgeglichen. Und dennoch: ein ganz leichter Schatten ist zum Beispiel unter dem Körper der Larve. Das ist wichtig, sonst wirkt es künstlich. Aber ansonsten ist kaum zu erkennen, dass hier Blitzlicht zum Einsatz kam. Eigentlich sieht das nur ein Fotograf, der weiß, dass eine solche Ausleuchtung eben kaum mit Naturlicht hinzukriegen ist. Ich habe dieses Foto mit zwei Blitzen in Zangenstellung gemacht. Jeder Blitz ist dabei mit einem Diffusor gesoftet. Wie ist Deine Meinung hierzu?

Lieber Gruß

Roland

PS: Das zweite Bild kann die Larve einer Assel sein, ja, aber es gibt auch ähnlich aussehende Tierchen in dieser juvenilen Entwicklungsphase, die dann doch anderen Gruppen angehören - ist schwer zu bestimmen.

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